20.1.2000 Start frei für 13 Milliarden Euro-Banknoten

Frankfurt - Der Druck der Euro-Banknoten ist angelaufen. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) gestern, genau 900 Tage vor Einführung des Euro-Bargeldes, mitteilte, hat der Druck von Scheinen in Deutschland, Belgien, Italien, Spanien und Holland begonnen. Insgesamt werden 13 Milliarden Banknoten gedruckt. Davon werden neun Milliarden am 1. Januar 2002 die nationalen Geldscheine ersetzen. Vier Milliarden werden vorgehalten. Der Gesamtwert der Noten wird sich auf 600 Milliarden Euro belaufen. Aneinandergereiht ergäbe dies die zweifache Strecke von der Erde zum Mond und zurück. Die Euro-Münzen werden bereits seit Mai 1998 produziert. Bislang seien acht Prozent der erforderlichen Menge geprägt. Insgesamt müssen 56 Milliarden Euro-Münzen mit einem Gesamtgewicht von 250 000 Tonnen geprägt werden.
   Wie EZB-Präsident Wim Duisenberg gestern weiter sagte, habe der Euro mittelfristig ein klares Aufwertungs-Potential. Nach der Ankündigung kletterte der Wert des Euro am Nachmittag auf Kurse von 1,0250 (Vortag: 1,0168) Dollar. Zu Beginn des Jahres hatte der Euro allerdings noch 1,18 Dollar gekostet. Duisenberg begründete seinen Optimismus vor allem mit der Preisstabilität des Euro und der Erwartung, daß die Wirtschaft im Euro-Raum zum Jahresende wieder stärker wachsen werde. "Alle Signale weisen auf einen Wendepunkt hin." Vor allem im nächsten Jahr sei mit einer deutlichen konjunkturellen Erholung zu rechnen.
   Obwohl die EZB in den nächsten Monaten ausgehend von steigenden Energiepreisen eine leichte Teuerungszunahme erwarte, äußerte sich Duisenberg zur künftigen Preisentwicklung optimistisch. Die Inflationsrate dürfte unter dem Wert von zwei Prozent bleiben. Allerdings sei eine Neueinschätzung der Lage nötig, sollte die Nachfrage nach Krediten durch Unternehmen und Verbraucher und damit das Geldmengenwachstum weiter zunehmen. "Allmählich beginnt sich eine leicht härtere Tendenz in unsere zinspolitischen Überlegungen einzuschleichen."
   Unterdessen warf gestern der Wirtschaftsprofessor Wilhelm Hankel den EU-Finanzministern die Verharmlosung der Euro-Schwäche vor. Die Finanzminister seien "ein Teil der Sünder, die von ihren eigenen Verfehlungen ablenken wollen". Der Euro sei darauf angewiesen, daß in den elf Staaten eine stabile Finanzpolitik gemacht werde. "Das fehlt aber." Auch Duisenberg mahnte eine Konsolidierung der Finanzen an.   

(Quelle: Hamburger Abendblatt))

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