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| 22.2.2000 |
Wie die EZB die
täglichen Referenzkurse ermittelt
Von Burkhart Salchow Hamburg - Für deutsche Touristen sind durch die Schwäche des Euro Urlaubsreisen außerhalb der Eurozone im Jahresvergleich um ein Fünftel teurer geworden. Angesichts des alarmierenden Verfalls des Euro-Außenwertes gegenüber dem Dollar und anderen großen Handelswährungen, kommt dem täglichen Referenz-Kurs des Euro gegenüber anderen Währungen wachsende Bedeutung zu. Die meisten interessieren sich nur für den Kurs zwischen Euro und Dollar. Doch die Europäische Zentralbank (EZB) legt börsen-täglich Referenzkurse für insgesamt 17 Währungen fest. Bis Ende 1998, als die Mark noch autonome Währung war, wurden die täglichen Fixingkurse für die knapp 20 bedeutendsten Handelswährungen der Welt von der Frankfurter Devisenbörse ermittelt. Die Kursbildung erfolgte auf Grund von Angebot und Nachfrage in der Zeit zwischen 13 und 14 Uhr. Gelegentlich griff auch die Bundesbank mit Währungskäufen oder -verkäufen in das Geschehen ein, um so genannte Ausreißer intervenierend zu glätten. Zehntausende von Handelsverträgen wurden auf der Grundlage der Frankfurter Fixingkurse abgeschlossen, weil sie einen amtlichen Charakter hatten. Die Referenzkurse der EZB haben dagegen eher einen inoffiziellen Charakter, da es sich nicht, wie noch zu Zeiten des D-Mark Regimes, um errechnete Kurse handelt. Denn die Kurse ergeben sich lediglich aus der Beobachtung der Währungen innerhalb weniger Minuten. Die Referenzkurse spiegeln den Wert des Euro gegenüber den anderen Währungen wider. An der Europäischen Währungsunion sind nur elf Länder beteiligt. Doch an der EZB-Schaltkonferenz zur Ermittlung der Referenzkurse dürfen die Notenbanken aller 15 EU-Länder teilnehmen zuzüglich vier andere Zentralbanken, darunter die amerikanische Notenbank und die Schweizerische Nationalbank. Ohne einen Gongschlag oder dergleichen kommt es unter diesen 19 Notenbanken ab 14.15 Uhr für etwa drei bis vier Minuten zu einem Austausch von Kursinformationen, in deren Folge schließlich die Referenzkurse festgesetzt werden. Die Teilnehmer beobachten die Kursentwicklung schon im Vorfeld, wobei jede Notenbank für die Beobachtung von drei bis vier Währungen zuständig ist. So beobachtet die EZB neben dem US-Dollar noch den japanischen Yen, den australischen und den neuseeländischen Dollar. Bei den Banken und Sparkassen haben die Referenzkurse für 17 Währungen nur wenig Bedeutung. Die Deutsche Bank zum Beispiel orientiert sich an diesen Referenzkursen nur auf ausdrücklichen Kundenwunsch. Für viele andere Geschäfte verwendet die Bank einen täglich selbst ermittelten Referenzkurs, sagt ihr Devisenhändler Joachim Goldberg. Denn die Euro-Kurse können auch nach 14.30 Uhr bis in den Abend hinein kräftig schwanken, je nachdem wie lange in den einzelnen Ländern gehandelt wird.
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