23.2.2000 Die Wiege der neuen Währung

Euro bringt den größten Geldumtausch der Geschichte

Zwar dauert es noch rund 20 Monate, bis das Euro-Bargeld die D-Mark am 1. Januar 2002 ablösen wird. Doch schon jetzt läuft der Druck der neuen Scheine und das Prägen der Cent- und Euro-Münzen in den elf Ländern der Währungsunion auf Hochtouren. Die größte Geldumtausch-Aktion aller Zeiten beginnt: 56 Milliarden Euro-Münzen im Gesamtgewicht von 250.000 Tonnen müssen hergestellt und verteilt werden.

An den Euro auf Rechnungen oder Überweisungen haben sich Hersteller, Handel und auch Konsumenten in Deutschland längst gewöhnt. Der psychologisch wichtigste Schritt beim Abschied von der alten Währung steht erst noch bevor: Werden Euro-Münzen und Euro-Scheine ebenso akzeptiert werden wie die D-Mark?

Unabhängig von dieser Frage läuft die Logistik der Bargeld-Umstellung seit Mai 1998 auf Hochtouren. Seit vor knapp zwei Jahren mit der Prägung der Euro-Münzen begonnen wurde, rattern die Maschinen fast rund um die Uhr. Genau 17 Millionen Stück beträgt allein in Deutschland die ,,Erstausstattungsmenge der Euro-Umlaufmünzen", wie es in der Fachsprache der Banker und Numismatiker heißt.

Die häufigste Münze wird das 1-Cent-Stück in einer Auflage von 3,7 Millionen Exemplaren sein. Es folgt das 10-Cent-Stück mit 3,3 Millionen. Die 17 Millionen Münzen wiegen nach Angaben der ECB (European Central Bank) 70.000 Tonnen. Um diese Menge zu bewegen, sind 2.400 Lastwagen oder 49 Güterzüge mit je 20 Waggons nötig. Die fünf deutschen Münzanstalten in Berlin (Münzzeichen: A), München (D), Stuttgart (F), Karlsruhe (G) und Hamburg (J) prägen die acht verschiedenen Euro-Münzen, deren Vorderseiten in ganz Europa einheitlich sind, während die Rückseitenvon jedem der elf Euro-Länder individuell gestaltet werden. Der Adler als traditionelles deutsches Hoheitssymbol ist auf der Rückseite der 1- und 2-Euro-Münze zu sehen. Für die Münzwerte 10, 20 und 50 Cent wurde das Brandenburger Tor gewählt. Die Münzen 1, 2 und 5 Cent zeigen als Erinnerung an die Pfennig-Münzen einen Eichenzweig. Weil jedes Euro-Land die Rückseite seiner Münzen gestaltet, werden sich in den Geldbörsen Schritt für Schritt bis zu 88 unterschiedliche Euro-Münzen mischen. Eine hohe Herausforderung an die Techniker, denn schließlich müssen zum Beispiel alle Automaten in ganz Europa mit Euro-Münzen funktionieren, ganz gleich, in welchem Land diese geprägt wurden. ,,So eine komplizierte Münze haben wir noch nie gefertigt", sagt Dieter Nedele, Direktor der Staatlichen Münze in Stuttgart, über das 2-Euro-Stück. Die Münze besteht aus zwei Metallen in drei Schichten und hat eine Randinschrift - eine harte Nuss für alle Fälscher.

Münzen aus zwei Metallen sind eine Novität für Deutschland. Bei der 1- und 2-Euro-Münze umfasst ein goldgelber Ring den silbrigen Kern (in der Fachsprache ,,Pille"). Das Gelb wird ,,Nordischgold" genannt und enthält weniger Nickel. Darauf hatten die skandinavischen Länder bestanden, in denen Nickel-Allergien besonders häufig sind. Spezielle Legierungen sorgen dafür, dass die Euros auch nach Jahren glänzen wie am ersten Tag. Münzen laufen schließlich bis zu 30 Jahre um, wahrend einige Banknoten ihren Dienst bereits nach Monaten quittieren dürfen. Apropos Euro-Banknoten: 13.000.000.000 Scheine (13 Milliarden) sind zur Zeit in Druck, vier Milliarden davon allein für Deutschland.